einfach erklärt

Die ernährungsphysiologischen Bedürfnisse von Hund & Katze

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Die ernährungs-physiologischen Bedürfnisse von Hund & Katze

Der Hund - ein adaptiver Allesfresser?

Wenn es um das Thema Hundeernährung geht, hört man nicht selten Argumente wie
„Früher haben Hunde einfach bekommen was überblieb“
„Der Hund meiner Nachbarin wurde mit Billigtrockenfutter 16 Jahre alt“
oder sogar
„Der älteste Hund der Welt ist laut Guinnessbuch vegetarisch ernährt worden!“
Beschäftigt man sich etwas näher mit der Physiologie des Hundes belegen diese Aussagen allerdings nicht die gesundheitsförderlichen Eigenschaften der jeweiligen Fütterungsgewohnheiten, sondern bestätigen nur die Anpassungsfähigkeit des hündischen Verdauungstrakt.
Die Domestizierung des Hundes liegt 15.000 Jahre zurück. Eine lange Zeit, in der sich das Erscheinungsbild der ein oder anderen Rasse so weit verändert hat, dass man ihr gar nicht mehr ansieht, dass unsere Haushunde ursprünglich vom Wolf abstammen. Während sich das Äußere im Laufe der Zeit wandelte, blieben die physiologischen Eigenschaften allerdings nahezu unberührt. Dies zeigt sich, wenn man das Gebiss oder den Verdauungstrakt des Wolfes mit dem eines Hundes vergleicht.

Anders als man es durch die Bezeichnung „Fleischfresser“ erwarten würde, ernährt sich der Wolf aber nicht nur von Fleisch, sondern von ganzen Beutetieren. Je nach Region und Jahreszeit sind das hauptsächlich Insekten, Nager, Hasen, Rehe, Hirsche, Lämmer und Kälber, die fast gänzlich gefressen werden. Der Nährstoffbedarf wird nicht nur durch wichtige Aminosäuren und Fett aus der Muskulatur, sondern auch durch Calcium aus den Knochen, Vitaminen aus den Innereien und dem Darm(inhalt), Natrium aus dem Blut und essentiellen Fettsäuren aus dem Körperfett gedeckt. Vorverdautes, pflanzliches Material aus dem Darminhalt fördert zudem die Verdauungsfunktionen.

Ist das Angebot an Beutetieren rar, werden Blätter, Gräser, Wurzeln, Beeren, Rinden, Abfälle in urbanen Gebieten und auch die Exkremente anderer Tiere gefressen.

Der Wolf ist also kein strikter Beutefresser, sondern anpassungsfähig um zu überleben. Daher bezeichnet man ihn als fakultativen Carnivor, einen Fleischfresser, der auch pflanzliche Nahrungsbestandteile verwerten kann.

Durch das Zusammenleben mit uns Menschen hat der Hund im Laufe der Jahrhunderte die Fähigkeit verbessert, Energie durch Kohlenhydrate zu verwerten. Im Barock wurden Hunde vor langen Verfolgungsjagden mit Brot gefüttert und Hofhunde erhielten ihr Leben lang die Nahrungsreste ihrer Besitzer. Der Hund hat sich daher zwangsläufig an das ihm zur Verfügung stehende Nahrungsangebot angepasst. Durch die Industrialisierung und komplette Abhängigkeit von der Nahrungszufuhr durch uns Menschen, entstanden in den letzten 50 Jahren allerdings auch typische Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Verdauungsstörungen, Allergien, Diabetes und Gelenkserkrankungen, die auf die Zusammensetzung der industriell hergestellten Futtermittel zurückzuführen sind.

Trockenfutter ist praktisch, da durch den Abrieb Zahnstein vermieden wird, das Futter für uns Menschen kaum riecht und lange unkompliziert aufzubewahren ist. Aus verarbeitungstechnischen und ökonomischen Gründen besteht es allerdings zu einem Großteil aus Kohlenhydraten, wodurch sich der Gehalt tierischer Bestandteile entsprechend reduziert. Da keine hochwertigen tierischen Proteinquellen sondern Nebenprodukte der Fleischproduktion verarbeitet werden, müssen fehlende Nährstoffe synthetisch zugesetzt werden, um den Bedarfswerten von Hund & Katze gerecht zu werden. Um das Produkt für das Tier schmackhaft und für den Halter optisch ansprechend zu gestalten, werden dann noch Geschmacks-, Geruchs- und Farbstoffe zugesetzt. Auch viele Nassfuttersorten enthalten Zusatzstoffe und fragwürdige tierische Nebenerzeugnisse, da es keine genaue Deklarationspflicht in der Tierfutterindustrie gibt.

Einige Tiere entwickeln eine regelrechte Sucht nach diesen Zusatzstoffen. Bei der Umstellung auf frisches, unverarbeitetes Futter kann es daher durchaus vorkommen, dass das Tier den neuen Napfinhalt erstmal gar nicht als fressbar identifiziert und sich nur zögerlich an das neue Futter wagt.

Was den fakultativen Carnivor vom Omnivor unterscheidet:

Er kann zwar pflanzliche Nahrungsbestandteile verwerten und dadurch auf das Futterangebot flexibel reagieren, im Gegensatz zu Omnivoren ist es für seine Gesundheit allerdings nicht förderlich, sich langfristig von großen Mengen pflanzlicher Stoffe zu ernähren. Welche Auswirkungen es hat, die Anpassungsfähigkeit des Verdauungstraktes eines Hundes auszureizen, erfährst du im weiteren Textverlauf.

Die Zusammensetzung der Verdauungsenzyme

Um den Nahrungsbrei aus dem Magen verdauen zu können, schüttet die Bauchspeicheldrüse von Hunden unter anderem drei Enzyme aus: Lipase (zuständig für die Fettverdauung), Proteasen (zur Eiweißspaltung) und Amylase (zur Verdauung von Kohlenhydraten). Daher ist es dem Hund auch möglich, kohlenhydrathaltige Nahrung zu verwerten.
Im Gegensatz zu Mensch und Schwein besitzt der Hund allerdings keine Amylase im Speichelsekret. Der Hund kann daher nicht mit einem omnivoren Schwein, sondern bestenfalls mit einem Ferkel verglichen werden, dessen Fähigkeit Kohlenhydrate zu verdauen noch nicht vollständig ausgebildet ist. Sie liegt aber höher als beispielsweise bei der Katze oder beim Pferd.

Die Auswirkungen auf den Verdauungstrakt

Das Verdauungssystem des Hundes ist perfekt auf die Verdauung von Beutetieren ausgelegt. Das sensible Zusammenspiel ist unter anderem auch von den in den verschiedenen Gastrointestinalabschnitten herrschenden pH-Werten abhängig. So sorgt ein pH-Wert von 1-2 im Magen dafür, dass eventuell in der Nahrung vorhandene Keime effizient abgetötet werden und die konzentrierte Magensäure zersetzt die einzelnen Futterkomponenten, damit die enthaltenen Nährstoffe mithilfe der Verdauungssäfte verwertet werden können. Die Ausschüttung dieser Säfte wird durch den sauren Nahrungsbrei ausgelöst. Pflanzliche Nahrungsbestandteile puffern nicht nur die Magensäure, sondern haben auch eine kurze Verweildauer im Magen. So können Eiweiße nicht gut aufgespalten werden und landen teils unverwertbar im Darm. Zudem ist die Magensekretion auch direkt von der zugeführten Eiweißmenge abhängig.

Besteht das Futter zu einem Großteil aus pflanzlichen Inhaltsstoffen, ist die Verwertbarkeit deutlich herabgesetzt und das Bauchspeicheldrüsengewebe wird dauerhaft belastet. Der stark ansteigende Insulinspiegel begünstigt zudem auch Stoffwechselentgleisungen wie Diabetes mellitus.

Der Einfluss diätetischer Antagonisten

Die Nährstoffaufnahme im Körper wird nicht nur durch die bloße Verfügbarkeit der Stoffe und die Funktionsfähigkeit der Verdauungsprozesse beeinflusst, sondern auch durch sogenannte „Antagonisten“. Dies bezeichnet Stoffe, die bei übermäßigem Vorliegen die Aufnahme von Mineralstoffen hemmen.

Sobald man vom Beutetierprinzip und der von der Natur vorgegebenen Futterzusammensetzung abweicht, sind diese Gegenspieler zu berücksichtigen. So wirken sich beispielsweise hohe Zufuhrmengen an Phosphor und Calcium durchaus nachteilig auf die Magnesiumaufnahme aus, wenn die Ration nicht ausgeglichen berechnet wurde. Enthält das Futter pflanzliche Bestandteile, kommen auch Antagonisten wie Phytin- oder Oxalsäure ins Spiel. Insbesondere Phytinsäure, die in großer Menge in Getreide enthalten ist, und das Vorliegen hoher Stärke- und Fasergehalte beeinflussen die Verwertbarkeit von industriell hergestelltem Futter. Betroffen sind davon unter anderem Calcium, Phosphor, Magnesium und Kalium, die bei Vorliegen von Phytinsäure nur unzureichend aufgenommen werden können.

Daher müssen diese Nährstoffe in Fertigfutter in entsprechenden Mengen zugesetzt werden, um die Wirkung der Antagonisten bestmöglich auszugleichen.

Die Folgen einer gestörten Darmflora

Im Dünndarm findet der wesentliche Teil der Verdauung statt und die Nährstoffe werden in den Körper aufgenommen. Dabei beeinflusst die Darmflora, wie gut das Futter verwertet werden kann, wie stark die Leber mit Stoffwechselgiften belastet wird und z.B. auch wie gut die Immunabwehr funktioniert.

Je höher der Anteil an pflanzlichen Fasern, desto schlechter die Verwertbarkeit. Die Nährstoffaufnahme sinkt und der Verdauungstrakt wird belastet. Stärkehaltige Futtermittel beeinträchtigen aber nicht nur die Verdaulichkeit des Futters, sondern begünstigen auch Dysbiosen (ein Ungleichgewicht der Darmflora, das zu Verdauungsbeschwerden führt) und Entzündungen. Eine gestörte Darmflora wirkt sich auf viele Bereiche des Körpers aus und beeinflusst maßgeblich die Gesundheit des betroffenen Lebewesens.

Die Katze - vom Mäusejäger zum Stubentiger

Durch die Urbanisierung entspricht das typische Bild der im Feld Mäuse jagenden Katze nicht mehr dem durchschnittlichen Alltag unserer Stubentiger. Während Freigänger über ihre Ernährung noch weitgehend selbst entscheiden, treffen wir Menschen diese Wahl für Wohnungskatzen und Trockenfutter steht hier besonders hoch im Kurs.

Im Gegensatz zum Hund spricht man bei der Katze allerdings von einem obligaten Carnivor. Das bedeutet, dass Katzen ihren Nährstoffbedarf ausschließlich über tierische Futterbestandteile decken können.

Die vorangehenden Erläuterungen wären schon Grund genug, die Fütterung von Katzen mit Trockenfutter kritisch zu überdenken.

Die Katze hat im Gegensatz zum Hund aber noch weitere ernährungsphysiologische Besonderheiten, die das dringende Bedürfnis nach artgerechter Ernährung unterstreichen.

Die Sache mit der Amylase...

Katzen verfügen über nur etwa 5% der Amylasemenge, die Hunde produzieren. Dadurch können sie viel schlechter mit kohlenhydratreicher Ernährung zurechtkommen. Nager, die ursprüngliche Beute der Katze, weisen nur minimale Kohlenhydratmengen auf, weshalb eine Anpassung des Verdauungstraktes auch nicht erforderlich war.

Große Kohlenhydratmengen belasten dadurch nicht nur die Bauchspeicheldrüse, sondern stellen aufgrund der unzureichenden Verwertung insbesondere bei Katzen auch das Risiko für Typ II Diabetes in den Raum.

Lebenswichtige Amino- & Fettsäuren

Aufgrund ihrer Abstammung haben Katzen noch eine weitere spezielle Eigenschaft. Sie gewinnen ihre Energie auch durch den Abbau von Aminosäuren, weshalb sie viel tierisches Eiweiß benötigen, um ihren Energiestoffwechsel aufrecht erhalten zu können.
Insbesondere die Versorgung mit den beiden Aminosäuren Arginin und Taurin muss sichergestellt sein. Taurin spielt eine wichtige Rolle für den Fettstoffwechsel und Arginin wandelt Ammoniak in Harnsäure um, damit diese über den Urin ausgeschieden werden kann.

Auch die Versorgung mit der Fettsäure Arachidonsäure sowie mit Vitamin A ist essentiell, die beide nur in tierischen Produkten vorkommen.

Flüssigkeitsversorgung über die Nahrung

Katzen regulieren ihre Wasseraufnahme nur in unzureichendem Maße selbst. Die Natur sieht nämlich eigentlich vor, dass sie über Beutetiere ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Sie besitzen die Fähigkeit ihren Harn sehr stark zu konzentrieren, wodurch große Mengen an Ausscheidungsprodukten mit wenig Flüssigkeit ausgeschieden werden können.
Trinkt eine mit Trockenfutter gefütterte Katze allerdings nicht genug, führt dies langfristig zu Nierenproblemen.

Die Folgen von zu hohem pH-Wert

Alkalischer Urin begünstigt Blasenentzündungen und damit auch die Entstehung von Harnsteinen.
Katzen sind anfällig für eine Erkrankung namens „Felines urologisches Syndrom“ (kurz FUS oder engl. FLUTD), zu deren Ursachen neben Harnsteinen und genetischer Veranlagung vor allem auch Blasenentzündungen, geringe Wasseraufnahme und falscher pH-Wert des Urins zählen.

Jedes Lebewesen hat ein Anrecht auf artgerechte Ernährung

Sie ist die beste Prävention für ernährungsbedingte Erkrankungen & bietet deinem Tier die Voraussetzung für ein langes, gesundes Leben.

Es liegt in unserer Verantwortung unseren Tieren die frische, unverarbeitete Nahrung zu bieten, die sie auch in der Natur fressen würden. Sollte das aus krankheitsbedingten Gründen nicht möglich sein, sollte sich der Ernährungsplan so weit wie möglich am Beutetier orientieren und durch mit Bedacht gewählte Supplements ergänzt werden.

Hast du Fragen zu diesem Thema? Dann freue ich mich von dir zu hören!

+43 664 257 12 08

info@wolfskraut.at

Quellenangaben

Ausbildungsinhalte: Ernährungsberaterung für Hunde & Katzen mit Schwerpunkt BARF nach Swanie Simon
Jürgen Zentek ( 2016): Ernährung des Hundes – Grundlagen, Fütterung, Diätetik (8. Aufl.)
Gotthold Gäbe, Klaus Loeffler (2018): Anatomie und Physiologie der Haustiere (15. Aufl.)
Hans Lutz, Barbara Kohn, Franck Forterre (2019): Krankheiten der Katze (6. Aufl.)
Bildverweise: www.shutterstock.com, www.freepik.com, www.vecteezy.com